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Excerpt 3/2009 PDF Print E-mail

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Easy Opening

Leichtes Öffnen ist oft alles andere als easy

Das Öffnungsverhalten von Verpackungen spielt für die Produktakzeptanz beim Kunden eine wesentliche Rolle. Verbraucherfreundlichkeit und eine stetig alternde Gesellschaft sind dabei zu berücksichtigen. Doch nicht nur ältere Verbraucher wünschen sich leicht zu öffnende Packungen sowie eine saubere und bequeme Produktentnahme.

Für viele Lebensmittel werden peelbare Verpackungen eingesetzt. Dabei soll eine Aufreißnaht von definierter Festigkeit das Aufschälen des Peel-Verschlusses von Hand ermöglichen - ohne großen Kraftaufwand und ohne Zerstörung des Packmittels. Am 18./19. Juni 2009 veranstaltete das Fraunhofer-Anwendungszentrum für Verarbeitungsmaschinen und Verpackungstechnik AVV in Dresden zu diesem Problemfeld den Workshop „Easy Opening - Bestimmen, Bewerten und Optimieren von Öffnungskräften an peelbaren Verpackungen“.

Ein Problem für Senioren

Der Anspruch einer peelbaren Verpackung steht oft im Widerspruch zur Realität, was insbesondere Personen spüren, die nicht mehr so kräftige und geschickte Hände haben. Häufig funktioniert der Öffnungsmechanismus nicht, der Aufreißfaden oder die Aufreißlasche ist nicht zu finden, die Aufreißlasche reißt ab, man braucht sehr viel Kraft zum Öffnen oder muss sehr geschickt sein. Besonders schwer zu öffnen sind eingeschweißte Produkte. Oft kommt es auch zu einem unkontrollierten Aufreißen der Verpackung, wodurch die Produktentnahme erschwert wird. Oder: Nach dem leichten Öffnen einer wieder verschließbaren Packung ist der Zipper zu weit oben angebracht. Ein erneutes Öffnen gestaltet sich wegen der fehlenden Griffmöglichkeit schwer bis unmöglich.

Doch laut Frau Dr. Erika Neubauer von der BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen) geht es den Senioren nicht darum, spezielle Verpackungen für Senioren oder Behinderte herzustellen. Sie wünschen sich Verpackungen, die von jedermann handhabbar sind, sodass sie nicht auf eine bestimmte „Produktpalette für Senioren“ beschränkt sind. Die Verpackungshersteller sollten Nutzen daraus ziehen, dass Probleme beim Öffnen einer Verpackung durch ältere Menschen sichtbar werden. Denn diese Mängel verärgern häufig auch jüngere Verbraucher.

They don’t write - they just stop buying

Laut einer Verbraucherumfrage sind die Senioren heute deutlich kritischer als früher und machen ihrem Ärger gegenüber solchen Mängeln Luft, indem sie das Produkt einfach nicht mehr kaufen. Außerdem sprechen sie mit Freunden darüber - was keine gute Werbung für das Produkt ist.

So bestätigt auch Thomas Maiwald von der Metro Group Buying International, dass eine Reklamation wegen schwierigem Öffnen verglichen mit anderen Reklamationsgründen eher selten vorkommt. Er nimmt an, dass sich bei einer Verpackung, die nach der Produktentnahme sowieso weggeworfen wird, niemand die Mühe macht, wegen schlechter Öffenbarkeit zu reklamieren. Er nimmt daher an, dass deswegen die Dunkelziffer der Unzufriedenen relativ groß ist. Er meint allerdings, eine Verpackung, die nur hin und wieder geöffnet wird, wie etwa von Rasierklingen, ärgert einen nicht so sehr, wie zum Beispiel eine Mineralwasserflasche mit schwergängigem Drehverschluss, zu der man täglich mehrmals greift. Bis es im ersten Fall zum Wiederkauf kommt, hat der Kunde seinen Ärger oft schon vergessen. Im Fall der Mineralwasserflasche, wo einem das Ärgernis täglich begegnet, wird der Kunde das Produkt dagegen künftig eher meiden.

Die Aufrisskraft messen

Je nach Art der Verpackung setzt der Verbraucher beim Öffnen automatisch unterschiedliche Griffe ein, demonstriert das AVV-Team Andrea Liebmann, Ina Schreib und Karsten Thürling. So wird etwa eine tiefgezogene Schale mit peelbarer Oberfolie mit dem Spitzgriff geöffnet. Bei einer Waschmittelpackung setzt man eher den Schlüsselgriff ein und bei einer Cornflakes-Packung den Dreifingergriff - beidesmal sind hier aber beide Hände aktiv. Die Geometrie und Größe der Aufreißlasche bestimmt die Kontaktfläche zwischen Fingern und Aufreißlasche, das Material der Aufreißlasche bestimmt Haftung zwischen Fingern und Aufreißlasche. Wichtig ist auch, dass es einen Gegenhalt für die zweite Hand gibt.

Möchte ein Verpackungshersteller feststellen, ob die Öffnungskräfte einer Verpackung verbraucherfreundlich sind, ist ein Abgleich des Messwertes an der Verpackung mit einem Richtwert erforderlich, der eine Aussage darüber trifft, wie viel Kraft ein Verbraucher überhaupt aufbringen kann. Um diesen Richtwert zu ermitteln, wurde am Fraunhofer AVV mit dem Pinch Pull Force (PPF) Tester ein Messgerät entwickelt. Damit kann bestimmt werden, welche Abzugskräfte eine Testperson über eine Aufreißlasche aufbringen kann. Der PPF-Tester ist einer realen Verpackung nachempfunden und einfach handhabbar. Es wird keine Siegelnaht aufgerissen, sondern eine Folieneinspannung ermöglicht das Testen von Aufreißlaschen in verschiedenen Materialien und Größen. Dabei ist eine Kombination aus Ziehen und Drücken nötig - wie beim echten Öffnungsvorgang. Die Messung der Abzugskraft erfolgt über einen mit der Folieneinspannung verbundenen Kraftsensor. Eine eigens entwickelte Software ermöglicht die Erfassung probandenspezifischer Daten wie Alter, Geschlecht, Händigkeit und Fingergröße. In einer breit angelegten Versuchsreihe mit Personen verschiedenen Alters und Geschlechts ergab sich, dass eine Grifffläche an der Aufrisslasche von 7 mm aus anatomischen Gründen zu klein ist: Die Kontaktfläche ist zu klein und man rutscht beim Ziehen zu leicht ab. Ein optimaler Krafteintrag ist dagegen bei einer Fläche ab 10 bis 14 mm gegeben.
Je besser die Griffigkeit eines Materials ist, desto leichter kann die Lasche aufgerissen werden. So lässt sich eine Lasche aus Al-Platinenmaterial mit Abstandshaltern (Al40/HSL) besser greifen, als eine Lasche aus einem OPP40/PEpeel90-Kunststoffverbund. Weibliche Probanden erreichen durchschnittlich 75 % der Kraftwerte männlicher Probanden. Senioren erreichen im Mittel 80 % der Kraftwerte jüngerer Erwachsener.

Definition von „Easy Opening“ für eine 14 mm große Lasche (Material OPP40/PE Peel 90) laut Fraunhofer AVV

Kinder (8 - 10 Jahre) Erwachsene (20 - 60 Jahre) Senioren (61 - 80 Jahre)
weiblich männlich weiblich männlich weiblich männlich
10 N 21 N 17 N 30 N 11 N 24 N

Allgemein gültige Richtwerte für den Begriff „Easy Opening“, unabhängig von Packungseigenschaften und Öffnungsverhalten, sind allerdings nicht festlegbar. Zur Heranziehung der Ergebnisse als Richtwert für das leichte Öffnen sind die mittleren Kraftwerte jedoch nur bedingt geeignet. Bei Körpermaßen und -kräften ist es gebräuchlich, sich an so genannten Perzentilen zu orientieren. Diese geben an, wie viel Prozent einer Nutzergruppe kleinere Kraftwerte erreicht. Laut DIN 33402-2, Beiblatt 1 „Körpermaße des Menschen“ wird dabei vorzugsweise der 5. Perzentilwert von Frauen angewendet. Im weiteren Projektverlauf werden die Verteilungen der Kraftwerte für alle Testvarianten und Altersgruppen ausgewertet und Empfehlungen für die Gestaltung von Aufreißlaschen erarbeitet.

Was ist zu tun?

Eine erste Maßnahme lautet: den gesunden Menschenverstand walten lassen. So wäre es für den Verbraucher bereits sehr hilfreich, wenn man die Öffnungshilfe auch auf Anhieb erkennt und findet. Ein weiterer Schritt ist, auf der Verpackung den Öffnungsmechanismus zu erklären. Minimierung der Anrisskraft. Zur Gestaltung der Aufreißlasche sollte man ein Verfahren zur Ermittlung von Richtwerten einsetzen. Auswahl einer geeigneten Anrissgeometrie. Bei der Gestaltung von Zweikammerbechern ist zu ermitteln, wo die Lasche sitzen muss, damit die Anfangsöffnungskraft nicht zu hoch ist.
Darüber wird FOOD DESIGN demnächst in einem zweiten Beitrag berichten.